Reisebericht Alpen Rodeo

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  • Im Tal angekommen wartet bereits als nächstes der Nufenenpass (2478m) auf uns. Der Nufenenpass gilt als höchster innerschweizerischer Straßenpass und ist die einzige Direktverbindung zwischen Tessin und Wallis.


    Auch ein kleines weiteres Opfer gab es zu beklagen. Der schicke Benz hatte einen leichten Feindkontakt mit einem anderen Pkw. Zum Glück blieb es nur beim überschaubaren Schaden und die Jungs nahmens mit Humor.



    Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein durchquerten wir das Rhônetal bevor wir unser Tagesziel Martigny in der französischen Schweiz erreichen. Natürlich erfüllen wir auch unsere heutige Tagesaufgabe, bei der so viele Unterschriften wie möglich auf unserem Auto, natürlich auf aufgeklebter Folie, sammeln sollten.

    Insgesamt konnten wir knapp 70 Unterschriften ergattern und werden nie die ältere Dame aus einem hochalpinen Bergdorf vergessen, die in ihren 80 Lebensjahren kaum die Zivilisation gesehen hatte, nie eine Schule besuchte und weder richtig lesen noch schreiben lernte - wie sie uns in einem herzlichen Gespräch verriet. Und dennoch zittert sie ihren Namen „Josette“ auf unser Auto. Wir sind schwer beeindruckt und zollen ihr unsere höchste Anerkennung für ihre Gastfreundlichkeit.





    Gruß Bruce

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  • Etappe 5: Martigny - Briançon, 374km.

    5. September


    Tag fünf startet für uns abermals mit dem Briefing um 7:30 Uhr, nur diesmal zum Glück direkt vor dem Hotel. Heute erwarten uns wieder phänomenale Aussichten, Bergpässe und meistern mit unseren betagten Karossen die „Route de grande alpes“, auf den Spuren der Tour de france. Darunter passieren wir Klassiker wie den Col de I’Iseran (2770m), den Col du Mont Cenis (2083m), oder auch den nervenaufreibenden Colle delle Finestre (2178m) der italienischen Region Piemont. Spontan fühlen wir uns irgendwie an Mon Chéri erinnert…

    Insgesamt werden wir heute die Landesgrenzen der Schweiz, Frankreich und Italien vier Mal überqueren.


    Nachdem wir heute Frankreich, das Land des guten Weins und der Baguette erreichen, lautet unsere heutige Tagesaufgabe: Wer hat den Längsten? Pardon, DAS Längste. Ziel der heutigen Etappe war es nicht nur die höchstgelegene Stadt Frankreichs und der Europäischen Union auf 1326m Höhe zu erreichen, sondern auch ein möglichst langes Baguette zu kaufen. Wer das Längste organisierte, konnte die Tageschallenge für sich entscheiden.

    Relativ zügig fanden wir ein Baguette von stattlicher Länge, so dachten wir. 56cm maß das Weißbrot, doch am folgenden Morgen, als die Baguette präsentiert wurden, sollten wir nur noch ungläubig staunen.



    Doch zunächst steht uns der Große St. Bernhardpass (2469m) und der Kleine St. Bernhardpass (2188m) bevor. Wir lassen Martigny hinter uns und steigen direkt in den Pass ein. Auf dem Bernhardpass liegen ein Hospiz sowie eine der berühmtesten Hundezuchten der Welt, welche auch besucht werden kann. Man erahnt es fast, dass es sich hierbei um die Bernhardiner-Rasse handelt.

    Auf der anderen Seite des Großen St. Bernhardpasses liegt das Aostatal, von wo aus wir bereits den Monte Bianco, oder auch besser bekannt als Mont Blanc, erspähen können. Vom Kleinen St. Bernhardpass gelangen wir ins Hochtal La Thule und starten in die Route de grande alpes.

    Leider war hier dann auch der zweite Totalausfall zu beklagen. Plötzlich auftretende Leistungsprobleme und letztlich ein Pleullagerschaden am Mitsubishi 3000GT zwang das Team zum vorzeitigen Ende der Rallye. Ihnen blieb nur die Rückreise ins weit entfernte Nordbayern.

    Für den Rest ging es jedoch weiter und schon bald erreichen wir den weltbekannten Skiort Val D’Isère, immer weiter bis zum buchstäblichen Höhepunkt des gesamten Alpen Rodeo.


    Der überwältigende aber doch sehr kalt und windige Col de I’Iseran ist der höchste befahrbare Pass der Alpen. Natürlich halten wir für eine kurze Pause. Danach erreichen wir nach einer kurzen Bergabfahrt durch die Hochebene den nicht minder beeindruckenden Col du Mont Cenis. Insgesamt befahren wir etwa 75km Passstraßen im hochalpinen Gelände mit Steigungen von maximal 15%.



    Anschließend machen wir einen Abstecher zum Colle delle Finestre, einem Teilstück der Giro D’Italia, und überqueren die italienische Landesgrenze. Der kaum von Autos befahrene Colle delle Finestre hat es wirklich in sich, denn er ist ein ehemaliger Militärpass, welcher hauptsächlich einspurig ist und mit einer maximalen Steigung von 14% in schier endlosen Serpentinen hinauf zur alten Militärfestung Forte delle Finestre führt und den Fahrzeugen der Teams wirklich alles abverlangt. Haben wir schon erwähnt, dass die vom Militär des 18. Jahrhunderts angelegte Passstraße bis heute lediglich geschottert ist und über keinerlei Sicherungen wie Schutzplanken verfügt? Aufgrund des geringfügigen Nervenkitzels und der vielen Schlaglöcher können wir den Pass zumeist nur mit Schrittgeschwindigkeit erklimmen. Der grandiose Blick vom Fort ins Tal entschädigte die Mühen vollkommen.




    Auf französischer Seite ging es durch viele Bergdörfer und über den letzten Pass des Tages, den Col de Montegnèvre (1854m), wieder hinab ins Tal bis nach Briançon.



    Gruß Bruce

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  • Etappe 6: Briançon - San Remo, 299km.

    6. September


    Unseren letzten Tag der Rallye begannen wir fast schon mit stoischer Routine. 6 Uhr aufstehen, 06:30 Uhr Frühstücken und dann das tägliche Briefing. Heute aber aus Platzgründen nicht in Briançon, sondern am ersten Pass des Tages, dem Col d’Izorad (2360m). Treffpunkt am dritthöchsten Pass der Route des grandes alpes war 08:30 Uhr und für alle Teams gut zu erreichen.



    Nun schlug auch die Stunde der Wahrheit, denn alle Teams zeigten ihre Baguette. Eines der Teams, nun verkleidet als Priester, hatte bei ihrer Tagesaufgabe göttlichen Beistand und präsentierten mit musikalischer Untermalung von E Nomine – Vater Unser, ihr Baguette von stolzen 220cm Länge. Dieses hatten sie sich in einer Klosterbäckerei extra backen lassen und die Tagesaufgabe damit verdient gewonnen.



    Am Col d’Izorad erhalten wir auch unsere letzte Tagesaufgabe mit dem Motto: Höhenflug!

    Ziel war es, den höchsten Punkt der letzten Route zu erreichen; wie ist jedem selbst überlassen. Als Beweis sollte ein Foto von uns mit der exakten Höhenangabe dienen.

    Unsere Entscheidung fällt auf den über 2700m hohen Grenzpass Col Agnel (2744m), um dort unsere Challenge zu erfüllen. Wir verlassen den Col D’Izorad in südöstlicher Richtung und befahren auf unserem Weg ans Ligurische Meer auch Teilstücke der legendären Rallye Monte Carlo.

    Nach einer guten Stunde beginnt dann der Aufstieg zum Col Agnel. Nach dem Stilfser Joch und dem Col de I’Iseran ist der Col Agnel der dritthöchste asphaltierte Pass der Alpen. Genau auf der Passhöhe verläuft auch die Landesgrenze zwischen Frankreich und Italien.

    Am Pass, auf 2744m angekommen, machte ich mich dann fußläufig auf den Weg auf einen nahegelegenen Bergkamm und konnte mit ausgestrecktem Arm schließlich eine per GPS gemessene Höhe von 2800m erreichen. Ich war nur nicht der einzige der auf die Idee kam. Egal, denn der Rundumblick war wieder mehr als sensationell.


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    Fortan fahren wir immer bergab und erreichen bald den eher unscheinbaren aber nicht uninteressanten Cole di Sampeyre (2284m). Von dort aus gelangen wir über eine schmale befestigte Straße hinter dem Ort Elva ins Vallone di Elva, eine wilde und tiefe Schlucht mit einer stark ausgesetzten Straße. Diese führt etwa 6 km entlang von steilen Felswänden vorbei an teilweise tonnenschweren Felsblöcken auf, und Schlaglöchern in der Straße, durch mehrere kurze und unbeleuchtete in den Fels getriebene Tunnel. Die Straße für hartgesottene endet im Mairatal, wo wir ein Hinweisschild und Absperrungen vorfinden, auf dem wir lesen können, dass die Passstraße seit 2018 für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist und seither nicht mehr instand gehalten wird. Als ich mir dann die vergangenen 6 km revue passieren ließ, dachte ich mir, dass ich diese Strecke lieber nicht gefahren wäre, hätte ich vorher gewusst was mich erwartet.



    Über den Colle d’Esischie (2370m) gelangen wir nur wenige km weiter an den Colle Fauniera (2481m) wo wir unsere letzten Blicke auf die einsame und doch beeidruckende Alpenlandschaft genießen können, bevor es in großen Schritten immer weiter abwärts ans Meer führt.



    Wir streifen das Fürstentum Monaco nur knapp und Mühen uns am Meeresufer entlang durch die Orte Menton, Ventimiglia und Bordighera, bevor wir endlich am Ziel unserer sechstägigen Reise quer durch die Alpen, in San Remo ankommen. Auch unser kleiner roter Wegbegleiter hat die Reise ohne technische Probleme gemeistert.



    Und was ist mit der Wochenchallenge?


    Diese war, so viele Pässe wie möglich zu befahren und von 50 vorgesehenen Pässen, die wir bei weitem nicht alle aufzählen können, weil es einfach den Rahmen sprengen würde, haben wir stolze 49 geschafft.

    Am Hotel, dem Ende der Rallye erwarten uns Sektempfang und eine gemeinsame und ausgelassene Abschlussfeier mit Siegerehrung. Von 40 teilnehmenden Teams haben wir bei unserer ersten Rallyeteilnahme, den für uns hervorragenden achten Platz belegt.


    Am nächsten Morgen, dem ersten Mal ausschlafen und einem ausgiebigen Frühstück, traten wir unsere 747km weite Heimreise ins Werdenfelser Land an und verbrauchten hierfür lediglich sparsame 50€ Benzin. Sogar für die italienische Autobahnmaut plus Ticket für den Brennerpass und die Europabrücke haben wir mehr bezahlt. Für die gesamte Rallye verfuhren wir ziemlich genau 250€ an Benzin. Trotz aller Strapazen für Mensch und Maschine ein respektabler Durchschnittsverbrauch von rund 6l/100km.


    In diesen sechs Tagen Rallye haben wir tolle Menschen kennengelernt, vieles gesehen und erlebt, was uns noch lange lange in Erinnerung bleiben wird. Die Bergpanoramen, Seen, Täler, Tiere und Orte auf unserer insgesamt 3.335 km langen Rallye durch die Alpen waren für uns echt beeindruckend, obwohl wir selbst im Alpenvorland an der Österreichischen Grenze wohnen und resümieren: Das wars absolut wert!


    Vielen herzlichen Dank fürs Lesen, eure Kommentare und die vielen Likes.:*:thumbup:<3


    So, nu is Schluss. Jetzt kann der Frühling mit seinen ersten warmen Tage langsam kommen und damit schließe ich - Bis zur nächsten Rallye!


    Gruß Bruce

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