Dashcam-Einbau mit Vorder- und Rückkamera

  • Hallo zusammen!


    Ich würde gerne beschreiben, wie man in einen Suzuki Ignis, Modelljahr 2020, eine Dashcam mit Vorder- und Rückkamera einbauen kann. Vielleicht helfen die Anleitung und/oder die Bilder jemandem da draußen weiter. Bitte keine Diskussionen über den Sinn oder Unsinn von Dashcams.


    Bitte entschuldigt die teilweise Verschleierung in den Bildern, aber ich möchte keinen Ärger mit meinen Nachbarn. Und da ich in Deutschland wohne, noch der Hinweis: "Für Schäden oder Beschädigungen an Ihrem Fahrzeug übernehme ich keine Haftung." :|


    Folgendes Werkzeug ist notwendig:

    • Dashcam (Kabel von der Rückkamera zur Vorderkamera sollte mind. 6 Meter lang sein)
    • Kreuzschraubenzieher
    • Kabelbinder
    • Auto-Demontagewerkzeuge (Zierleistenkeile-Set, Clip-Zange)
    • Arbeitshandschuhe (alternativ: Wunddesinfektionsmittel und Pflaster :()
    • Kabeleinziehwerkzeug (alternativ, aber nicht empfohlen: Draht)
    • Silikon-Gleitspray

    Los geht es mit dem Entfernen der Abdeckung für die dritte Bremsleuchte im Kofferraum. Diese ist in drei Halterungen eingeclipst und es gibt links und rechts je einen Führungshaken. Zum Entfernen der Abdeckung, muss diese bei geöffnetem Kofferraum einfach nach unten geschoben werden. Bei mir ging das am einfachsten, in dem ich erst an der rechten Seite geschoben und die Halterung gelöst habe. Die linke Seite konnte ich dann mit deutlich weniger Kraft lösen.



    Nachdem die Abdeckung entfernt ist, kann man ein Kabel bis zum Gummischlauch verlegen. Der Gummischlauch ist bei Suzuki nicht eingeclipst und lässt sich einfach durch Eindrücken des Gummis lösen und dann ganz leicht rausziehen. Im Gummischlauch ist noch relativ viel Platz für ein zusätzliches Kabel.


    Das Kabeleinziehwerkzeug sollte man vorher mit Silikonspray einsprühen und erst danach durch den Gummischlauch schieben. Wenn es am anderen Ende angekommen ist, kann man es mit dem Kabel von der Rückkamera der Dashcam verbinden und dann durch den Schlauch ziehen. Wenn das Kabel beim Ziehen festhängt, sollte man keine Gewalt anwenden, denn sonst geht der Gummischlauch kaputt. Stattdessen wieder das Silikonspray verwenden.


    Jetzt kann man die zwei hinteren Clips vom Dachhimmel lösen. Das geht sehr gut, wenn man sie mit einem Zierleistenkeil behutsam etwas nach unten zieht und dann eine Clip-Zange verwendet, um sie zu lösen. Der Dachhimmel lässt sich dann etwas nach unten schieben, um das Kabel über die rechte Fahrzeugseite bis zur hinteren Tür verlegen. Von dort führt man es über den Fußboden weiter nach vorne.



    Das hintere Türgummi lässt sich leicht abziehen und der dadurch entstehende Spalt hilft bei der Kabelführung nach unten. Bei mir hat es gereicht, das Kabel mit den Zierleistenkeilen hinter die Plastikabdeckung des Kofferraums zu drücken. Die Einstiegsleiste an der hinteren rechten Fahrertür ist an drei Punkten eingeclipst und lässt sich mit einem Zierleistenkeil sehr einfach anheben und entfernen. Man kann dann den Plastikrahmen im Türrahmen mit einem Zierleistenkeil etwas anheben, um das Kabel dahinter zu verlegen. Das Kabel sollte am Ende so verlegt sein, dass es locker hinter der Verkleidung hängt und von dieser nirgendwo eingeklemmt wird.



    Nun muss man vom Boden der Hintertür durch die B-Säule zum Boden der Beifahrerseite. Auch an der Vordertür kann man die Einstiegsleiste einfach abclipsen. Sie ist jedoch an das Plastik im Türrahmen gesteckt und lässt sich deshalb nicht so einfach entfernen. Man kann sie aber weit genug zur Seite schieben, um überall dranzukommen. Um an der B-Säule vorbeizukommen hilft wieder das Kabeleinziehwerkzeug. Wichtig zu beachten: hier laufen schon einige Kabel entlang, also nicht mit Gewalt vorgehen, sondern behutsam prüfen, wo es hängt, wenn das Kabel nicht durchkommt.



    Wenn man mit dem Kabel an der Beifahrerseite angekommen ist, sollte man nun auch das dortige Türgummi in der Nähe der A-Säule lösen. Danach muss man ein Plastikteil im Fußraum etwas unter dem Handschuhfach abclipsen und die dahinter liegende Schraube lösen (siehe Bild). Dabei unbedingt aufpassen, dass einem die Schraube nicht runterfällt, sonst ist sie nämlich erstmal weg. Dann lässt sich das Plastik im Bereich des Handschuhfachs mit einem Zierleistenkeil etwas nach vorne ziehen, und man kann das Kabel vom Fußraum hoch zur A-Säule verlegen.




    Die A-Säule ist an zwei Punkten geclipst, lässt sich aber mit wenig Kraftaufwand abziehen, wenn man wieder mit einem Zierleistenkeil arbeitet. Ich habe das Kabel von der Rückkamera der Dashcam an den vorhandenen Kabeln mit Kabelbindern festgemacht und gleichzeitig auch das Stromkabel der Dashcam verlegt. Die Kabelbinder nicht zu sehr festziehen, denn wenn der transparente Schlauch eingeknickt wird, hat man hinten kein Wischwasser mehr. Alle Kabel sollten so verlegt sein, dass sie den Airbag nicht blockieren.



    Von der A-Säule kommt man nun problemlos in den vorderen Dachhimmel. Einfach den Dachhimmel vorne mit den Händen leicht herunterziehen und die Kabel dahinter verlegen.




    Das Stromkabel kann man, wenn es im Fußraum der Beifahrerseite angekommen ist, einfach hinter den Teppichboden verlegen. Im unteren Teil der Mittelkonsole ist auch ein kleiner Spalt nach hinten, durch den man das Kabel bis zum 12V-Anschluss führen kann.





    Fertig. Wie man die abgeclipsten Teile wieder anclipst oder das Türgummi wieder in den Rahmen steckt, muss ich sicherlich nicht beschreiben. :)

    Suzuki Ignis 1.2 CVT Comfort | Fervent Red | MJ 2020

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  • Dankeschön für die schöne Bebilderung !

    So habe ich es bei meinem Subaru auch gemacht.

    Wenn unser Ignis kommt, bekommt er auch zwei Kameras.
    Welche hast du genommen ?


    Danke. Es ist eine Aukey DR02D. Die wurde von Techmoan auf YouTube sehr ausführlich vorgestellt.


    Eine Blackvue wäre noch etwas kleiner und hätte auch ein viel dünneres Kabel nach hinten, ist aber leider auch schweineteuer.

    Suzuki Ignis 1.2 CVT Comfort | Fervent Red | MJ 2020

  • ... interessant. Bei der Ausführung (Comfort+) mit Bremsassistenzsystem muss man sich allerdings für die vordere Anbringung der Cam einen anderen geeigneten Platz suchen.

    Schade, dass der Hersteller des Bremsassistenzsystems ein Anzapfen oder eine Aufnahmefunktion der vorhandenen Kameras nicht vorgesehen hat, denn die Kameras sind ja schon da, sogar hinten - wäre ein Verbesserungsvorschlag für den Hersteller des Bremsassistenzsystems - ich glaub das ist Hitachi.

  • Haben die Kameras von den Assistenzsystemen denn überhaupt ne entsprechend hohe Auflösung? Technisch gesehen würde denen ja 360p reichen....


    Selbst die Rückfahrkamera beim Swift Sport löst so grauenhaft auf, da ist kein Kennzeichen lesbar....

  • ... interessant. Bei der Ausführung (Comfort+) mit Bremsassistenzsystem muss man sich allerdings für die vordere Anbringung der Cam einen anderen geeigneten Platz suchen.

    Schade, dass der Hersteller des Bremsassistenzsystems ein Anzapfen oder eine Aufnahmefunktion der vorhandenen Kameras nicht vorgesehen hat, denn die Kameras sind ja schon da, sogar hinten - wäre ein Verbesserungsvorschlag für den Hersteller des Bremsassistenzsystems - ich glaub das ist Hitachi.

    Das wird bereits von Herstellern gemacht, sowie die Fahrdaten gespeichert und ausgelesen. Als Fahrassistensdaten. ZB. Auch zur Ermittlung von Unfallhergang abrufbar, so mein Subaru–Verkaufer.
    Für Privatpersonen werden diese Daten nicht zur Verfügung gestellt. Da beruft man sich sehr gerne auf den Datenschutz.
    „ Sportliche Fahrweise“ sind dann interessante Daten für Versicherungen und zur Ablehnung von Garantieansprüchen.
    LG

    Signatur ?

    Kann ich mir nicht leisten ;).

  • Haben die Kameras von den Assistenzsystemen denn überhaupt ne entsprechend hohe Auflösung? Technisch gesehen würde denen ja 360p reichen....


    Selbst die Rückfahrkamera beim Swift Sport löst so grauenhaft auf, da ist kein Kennzeichen lesbar....

    ... ich denke die Kameras werden eine sehr hohe Auflösung haben, denn sie müssen ja kleinste Bildveränderungen erkennen können, was für die Bewegungserkennung notwendig ist. Denn die Assistenzkameras sollen ja nicht nur erkennen das da was ist sondern auch ob sich das Objekt auf das Fahrzeug zu bewegt oder entfernt und das sogar mit einer sehr genauen Erkennung der Geschwindigkeit der Bildveränderung in Bruchteilen von Sekunden. Und dafür ist eine sehr feine Auflösung notwendig. Was auch erklärt, warum die Assistenzsysteme sehr schnell bei Regen, Nebel, verschmutzter Scheibe auf Störung gehen.

    Also meine Rückfahrkamera am Ignis macht ein gestochen scharfes Bild - eine RfKamara die keine Nummernschilder erkennt ist kaputt, falsch eingestellt oder verdreckt, das ist jedenfalls nicht normal.

  • Scharf ist das Bild schon, die Auflösung ist einfach unterirdisch.


    Bei den verbauten Kameras sind es ja zwei die nach vorne gucken. Da genügt auch eine kleine Auflösung um eine größere Detailschärfe zu erreichen. Schau dir nur Mal die modernen Handykameras an. Da wird mit zwei 12MP Sensoren ein 48MP Bild erzeugt. Ich bin erstmal davon ausgegangen dass es im Auto ähnlich funktioniert. Je weniger Pixel auf der Sensorfläche sind um so besser ist auch die Lichtempfindlichkeit. Gerade nachts ist der Scheinwerferkegel für eine kamera wie für den Mensch ne kleine Kerze.


    Also ich würde mich da wirklich eher auf ein dediziertes System verlassen. Zumal jeder selbst wissen muss ob er seinen eigenen Fahrstil auf Kamera festhalten will.


    @miao: wie sind die Kameras denn befestigt? Doppelseitiges Klebeband, oder flüssiger Glaskleber?

  • ... ich hab mal mit einem Kamera gestützten Überwachungssystem experimentiert, dort konnte man mit der Auflösungseinstellung die Ansprechschwelle des System einstellen. Testobjekt war meine Modelleisenbahn - bei der niedrigsten Auflösungseinstellung konnte ich die Lok gut einen Zentimeter fahren ohne dass das Alarmsystem reagiert - bei der höchsten Auflösung ist sofort beim losfahren Alarm gegeben worden.

    Das heißt also, in der Zeit, wo bei einer Kamera mit grober Auflösung ein weiteres Bildpixel sich verändert ist bei einer hoch auflösenden Kamera schon mehrfach eine Bildveränderung festgestellt, berechnet und ggf. Maßnahmen eingeleitet worden.

    Rein aus der Logik heraus wird man bei einem System, was in Bruchteilen von Sekunden Erfassen, Berechnen und Maßnahmen einleiten muss kein "blindes" Erfassungselement einsetzen. Die Lichtempfindlichkeit ist hier nicht das Primäre sondern das Erfassen von Veränderungen und das geht nun mal mit einer hoch auflösenden Kamera besser.

  • Das wird bereits von Herstellern gemacht, sowie die Fahrdaten gespeichert und ausgelesen. Als Fahrassistensdaten. ZB. Auch zur Ermittlung von Unfallhergang abrufbar, so mein Subaru–Verkaufer.
    Für Privatpersonen werden diese Daten nicht zur Verfügung gestellt. Da beruft man sich sehr gerne auf den Datenschutz.
    „ Sportliche Fahrweise“ sind dann interessante Daten für Versicherungen und zur Ablehnung von Garantieansprüchen.
    LG

    ... gibt es da genauerer Infos zu, wäre ja mal interessant, ob das Assistenzsystem im Ignis da was aufnimmt - das wäre dann ja so was wie eine Blackbox.

  • @miao: wie sind die Kameras denn befestigt? Doppelseitiges Klebeband, oder flüssiger Glaskleber?


    Doppelseitige Klebesticker. Ich tausche sie vorne aber noch gegen 3M Dual Lock Band aus. Dann kann ich die Kamera noch weiter oben positionieren und sie jederzeit abnehmen ohne danach alles komplett neu kleben zu müssen (Werkstatttermin, Fahrten in AT/CH/usw.). Bedienen muss man das Ding während der Fahrt ja nicht; beim Einschalten kommt ein kurzer Jingle damit man weiß, dass sie funktioniert und das wars.


    Ist das Assistenzsystem vom Ignis eigentlich so nervig/hypersensibel wie die ganzen Autozeitungen geschrieben haben? Wir konnten es nicht mehr mitbestellen bzw. hätten dann bis März 2021 auf die Auslieferung warten müssen. :rolleyes:

    Suzuki Ignis 1.2 CVT Comfort | Fervent Red | MJ 2020

  • Ist das Assistenzsystem vom Ignis eigentlich so nervig/hypersensibel wie die ganzen Autozeitungen geschrieben haben? Wir konnten es nicht mehr mitbestellen bzw. hätten dann bis März 2021 auf die Auslieferung warten müssen. :rolleyes:

    ... nö - vom Ignis nicht, der hat ja kein Radar aber vom Swift, das ist ein kombiniertes System aus Kamera und Radar und das soll hin und wieder mal rumspinnen.

    Ich hab ja den Ignis C+ also ohne Grund ist es bei mir noch nicht angesprungen.

  • Doppelseitige Klebesticker. Ich tausche sie vorne aber noch gegen 3M Dual Lock Band aus. Dann kann ich die Kamera noch weiter oben positionieren und sie jederzeit abnehmen ohne danach alles komplett neu kleben zu müssen (Werkstatttermin, Fahrten in AT/CH/usw.). Bedienen muss man das Ding während der Fahrt ja nicht; beim Einschalten kommt ein kurzer Jingle damit man weiß, dass sie funktioniert und das wars.


    Ist das Assistenzsystem vom Ignis eigentlich so nervig/hypersensibel wie die ganzen Autozeitungen geschrieben haben? Wir konnten es nicht mehr mitbestellen bzw. hätten dann bis März 2021 auf die Auslieferung warten müssen. :rolleyes:

    Hallo

    Bei unserer Cam von Z–Edge ist nur jeweils die Halterung geklebt. Eine zweite Halterung für Zweitwagen liegt bei. Die Cam lässt sich bequem entfernen/ wechseln.

    Besser war es bei der alten Cam von Rollei bzw.der baugleichen Typen.

    Dort ließ sich durch ein Kugelgelenk die Kamera auch in alle seitliche Richtungen schwenken.

    Sowas ist überaus nützlich.


    LG

    Signatur ?

    Kann ich mir nicht leisten ;).